ZIN TAYLOR

Zin Taylor (*1978 in Calgary, Kanada; lebt in Paris)

Zin Taylor entwickelt eine eigenständige, stark zeichnerisch geprägte Formensprache, die sich zwischen Fläche, Linie und Raum entfaltet. Seine Arbeiten kreisen um Fragen der Wahrnehmung, Übersetzung und Transformation von Bildern und Objekten und positionieren ihn als wichtige Stimme innerhalb einer erweiterten, installativen Zeichnungspraxis der Gegenwart.

 

Charakteristisch sind zunächst seine Wandzeichnungen, die mit klaren, oft schwarzen Linien direkt auf den Ausstellungswänden entstehen. Sie wirken reduziert und zugleich präzise gesetzt, entfalten jedoch häufig auch eine subtile Figuration: In den linearen Strukturen lassen sich angedeutete Körper, Alltagsgegenstände oder abstrahierte Szenen erkennen. Dadurch oszillieren die Arbeiten zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit und öffnen einen imaginierten Raum, der sowohl visuell als auch assoziativ erfahrbar wird.

 

Diese zeichnerische Qualität setzt sich in seinen hängenden, mobileartigen Skulpturen fort. Aus leichten Materialien gefertigt, greifen sie die linearen Strukturen der Wandarbeiten auf und übersetzen sie in den Raum. Die Objekte scheinen zu schweben, reagieren subtil auf Luftbewegungen und erzeugen eine fragile, beinahe immaterielle Präsenz. So entsteht ein Dialog zwischen Statik und Bewegung, zwischen Zeichnung und Skulptur.

 

Ergänzt wird dieses Zusammenspiel durch kleinteilige Objekte, die in einer großen, beleuchteten Wandvitrine präsentiert sind. In dieser konzentrierten Form wirken sie wie archivierte Fragmente oder dreidimensionale Skizzen. Die Vitrine fungiert dabei nicht nur als Präsentationsform, sondern als eigenständiger Raum der Verdichtung: Sie rahmt die Objekte, isoliert sie vom Umraum und lenkt den Blick auf ihre feinen Unterschiede und Beziehungen.

 

Im Zusammenspiel dieser Werkgruppen entfaltet Taylor ein vielschichtiges Gefüge, in dem sich Linie, Objekt und Raum gegenseitig kommentieren. Seine Arbeiten zeigen, wie sich Zeichnung in den Raum ausdehnen und Skulptur zugleich auf ihre grafischen Ursprünge zurückgeführt werden kann.

FEATURED AT NEUN NEUE RÄUME