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DIRK BELL

Der in Berlin lebende Künstler Dirk Bell hat seit den späten 1990er Jahren ein Werk entwickelt, das von einer ausgesprochenen Vielfalt geprägt ist. Es umfasst neben Malerei, Aquarell und Zeichnung auch Installation und Skulptur, wobei die Arbeiten zuweilen erhebliche Unterschiede in ihrer Erscheinung aufweisen, so dass man vermuten könnte, dass sie von unterschiedlichen Künstlern gefertigt wurden. So ist ein Großteil der Malereien und Papierarbeiten von einer Auseinandersetzung mit den Formen und Gedanken des Symbolismus, des Jugendstils, des Surrealismus und der modernen Populärkultur geprägt, die wichtige Bezugspunkte für das Schaffen des 1969 in München geborenen Künstlers darstellen. Engelhafte Wesen, zwitterhafte Gestalten, oder unergründliche Landschaften begegnen dem Betrachter in diesen Arbeiten und verweisen auf eine Welt von Träumen und Visionen. Dabei zeugen die Werke Bells von großer künstlerischer Könnerschaft, die sich in dessen Umgang mit Linien, Strichen, Farben und Flächen offenbart. Die Zeichnungen sind von einer meisterhaften Präzision gekennzeichnet, die in dieser Form nur noch selten zu finden ist, während die Aquarelle und Malereien eine große Freiheit, Leichtigkeit und Virtuosität prägt. Für das Verständnis der Arbeiten sind jedoch nicht allein die sich in ihnen widerspiegelnden handwerklichen Fähigkeiten entscheidend.

Dieser Umstand wird ganz besonders im Rahmen einer Betrachtung der skulpturalen und installativen Werke Bells deutlich, die eine gänzlich andere Anmutung aufweisen. Die aus Stahl, Holz oder Neonröhren gefertigten Werke wirken reduziert und nicht auf handwerkliches Können bedacht, lassen aber dennoch zuweilen Spuren ihrer Fertigungsprozesse erkennen. Die Minimal Art scheint in diesen Arbeiten einen Nachhall zu finden und könnte insofern als weiterer wesentlicher Orientierungspunkt für Dirk Bell vermutet werden. Dabei stehen dessen Werke aber nur formal in einer Nähe zu der amerikanischen Kunstrichtung und weisen mit ihren spezifischen Inhalten eigentlich in eine neue Richtung. In den Arbeiten werden Zeichen und Formen gebildet, die ein Vokabular andeuten, das um Grundbegriffe des menschlichen Daseins wie „LOVE“ oder „FREE“ kreist. Diese finden entweder einzeln, gewissermaßen als Schlagwörter, Verwendung oder aber – und das insbesondere seit der Übertragung des Zeichensystems in Wandmalereien – eingebettet in komplexere Formulierungen. Mit den sich in den Arbeiten zeigenden Wortschachtelungen vollzieht der Künstler Analysen und Deklinationen der Buchstabenkombinationen, Worte und Sätze und legt damit deren unterschiedlichen Bedeutungen und Beziehungen offen. Die Themenkomplexe, die er in diesem Zusammenhang berührt, verweisen auf gesellschaftliche, philosophische und auch spirituelle Fragen und stehen damit in einer Nähe zu den malerischen wie auch zeichnerischen Motiven des Künstlers, die gleichermaßen auf diese Bereiche Bezug nehmen. Die Widersprüche, die scheinbar in dem Schaffen Bells auszumachen sind, entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als Trugschluss und lassen sich insofern auflösen.

Beide Werkbereiche verweisen auf die Auseinandersetzung mit  übergeordneten Gedanken zum Leben in unserer heutigen Gesellschaft und Welt und lenken dabei den Blick nicht nur auf den Status quo, sondern gleichermaßen auch auf die Vergangenheit und Zukunft. Die Sehnsüchte und Visionen, die sich in den Werken widerspiegeln, zeugen von der Suche nach neuen und alternativen Lebensformen und hinterfragen die Verworrenheit und fast unübersichtliche Vielschichtigkeit unserer heutigen Welt. Die famose Virtuosität, das große künstlerische Geschick und der klare konzeptionelle Geist, der die Praxis von Dirk Bell in starkem Maße prägt, verleiht dessen Werken einen lang anhaltenden Nachklang und verführt dazu, ihm bei seiner Suche zu folgen.

FEATURED AT ICH HABE ZEIT