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SECHS RICHTIGE

7.4.-27.8.2017
Eröffnung 6.4.2017, 19:30 Uhr

Mit der Ausstellung „Sechs Richtige“ präsentiert Fürstenberg Zeitgenössisch den sechsten Jahrgang des 2011 auf Schloss Heiligenberg begründeten Förderprogramms. Dabei ist das Spektrum der künstlerischen Arbeitsweisen von Sam Anderson, Kasia Fudakowski sowie Mark Van Yetter – ganz ähnlich wie bei den Stipendiaten der Vorjahre – von einer großen Vielfalt geprägt.

Sam Anderson entwirft kleinformatige Skulpturen und skulpturale Settings, die von menschlichen oder menschenähnlichen Figuren bevölkert sind. Befanden sie sich bisher oftmals direkt auf dem Boden und forderten so den Betrachter still dazu auf, sich hinabzubeugen, nutzt die amerikanische Künstlerin in den auf Schloss Heiligenberg entstandenen und nun in den Fürstlich Fürstenbergischen Sammlungen gezeigten Arbeiten Tische, die dem menschlichen Arbeitskontext entspringen. Anderson verwendet für diese aufgeladenen Figuren-Settings natürliche Materialien wie Leder, Pfeffer und Salz, aber ebenso künstliche Materialien wie Epoxid und Plastik. Beziehungen zwischen Künstlichem und Natürlichem spiegeln sich auch in den Narrativen, die in den Settings aufgerufen werden. Dabei handelt es sich jedoch niemals um konkret lesbare Geschichten. Vielmehr operiert Anderson mit semantisch aufgeladenen Signifikanten, bildhaften Szenen und Momenten, die ein bestimmtes Verhalten, aber auch Stimmungen und Subjektkonzeptionen aufrufen. So lässt das mit „Desk Set“ betitelte Arrangement, welches zwei weibliche Figuren in einer Muschel umfasst, an Venusfiguren und domestizierte Inspiration denken. Die Skulptur „Helpful Waitress Angel“ wiederum ruft Erinnerungen an klassische Pietà–Darstellungen auf. Ihre am Rande des Deskriptiven angesiedelten Titel verweisen dabei stets zugleich auf Konstellationen und Erwartungshaltungen – weshalb Andersons Arbeiten stets auch eine Auseinandersetzung mit verkörperten Rollenmustern und teils unbewussten Normierungen darstellen.

Auch Kasia Fudakowski thematisiert Stereotype. Ihre Praxis überführt Prinzipien von Witz und Komödie in Skulpturen oder Installationen. Sie nimmt Dinge buchstäblich und führt Missverständnisse und Überraschungsmomente herbei, in denen widersprüchliche Bedeutungen zutage treten und sich das erste, intuitive Verständnis in ein anderes verkehrt. Dieses semantische Spiel tritt mal als Spannung zwischen Material und Form, mal als Vexierbild innerhalb der Formen hervor. Immer wieder befasst sich Fudakowski mit dem Sicht- und Unsichtbaren, mit dem Bedürfnis, etwas sehen zu wollen, sowie mit Täuschungen, welche es ihr erlauben, Unterbewusstes und Unterschwelliges zu thematisieren. So ist ein wiederkehrendes Moment in ihren Arbeiten die menschliche Eigenart, Dinge zu anthropomorphisieren, also der menschlichen Gestalt anzupassen. Auf Schloss Heiligenberg sind Wandskulpturen entstanden, die wie herausgetrennte Stücke von Stuckverzierungen wirken. Von der Seite betrachtet lassen sich in ihnen die Profile von Politikern wie David Cameron, Boris Johnson und Donald Trump erkennen. In dieser camouflierten Präsenz zeigt sich eine Verbindungslinie zum „Laughing Cavalier“, einem barocken Porträt von Frans Hals, das einen Mann zeigt dessen Blick dem Betrachter im Raum zu folgen scheint. „Beyond Belief“ wiederum lässt sich als Paar geschlossener Augenlider lesen, während die Neon- und Audioarbeit „Benign Essential Blepharospasm“ eine Augenkrankheit zitiert, bei der sich die Augen für einen längeren Zeitraum nicht öffnen lassen. Fudakowskis Präsentation ist eine Einladung dem entlarvenden Potential des Witzes zu folgen.

So wie Sam Anderson und Kasia Fudakowski streifen auch die Malereien von Mark Van Yetter den Bereich des Unbewussten. In Yetters Arbeiten, die alle unbetitelt sind, entfaltet sich jenes atmosphärisch–irrationale Element jedoch rein auf der Bildebene. Die Tableaus stellen traumartige Sequenzen in räumlichen Verschachtelungen dar und erinnern eigentlich mehr an Stillleben, die kleine Narrationen oder narrative Andeutungen enthalten.

Subtil ziehen Yetters Arbeiten damit stumme Verbindungslinien, die manchmal einer konkreten Form entspringen, manchmal aber auch einem wiederkehrenden Motiv und seiner symbolischen Aufladung. Immer wieder ist es fraglich oder uneindeutig, was im Fokus eines Bildes steht. In einigen neueren Arbeiten bietet selbst die Farbe keine Ansatzpunkte mehr, wenn die Komposition etwa vornehmlich aus Varianzen von Blautönen bestehen, in denen die Schatten am prägnantesten hervorzustechen scheinen. In ordentlicher Vierteilung des Bildraumes zeigt eine Arbeit auf Papier eine Socke, ein paar Schuhe und ein paar Boxhandschuhe an einem Nagel, wobei jedem Element ein eigener Bereich zugehört, der es von den anderen separiert. Gleichzeitig stehen die einzelnen Objekte jedoch semantisch dicht zusammen und so wandelt das Bild auf der Grenze zwischen narrativem Tableau und latent unheimlicher Sammlung von Symbolen, bei der jedes Element zur Dechiffrierung an seine zugleich verwandten und fremden Nebenbilder verweist. Letztlich bleibt dem Betrachter so womöglich nur die Frage nach den eigenen, bewussten und unbewussten Voraussetzungen und Projektionen – im Fall von Mark Van Yetter ebenso wie bei den Arbeiten von Kasia Fudakowski und Sam Anderson.

FEATURED ARTISTS

SAM ANDERSON
KASIA FUDAKOWSKI
MARK VAN YETTER

IMPRESSIONEN